Kreditvorprüfung mit Agenten bei einer Regionalbank
14 Monate nach Produktivsetzung — was gehalten hat und was nicht
Ausgangslage
Die Vorprüfung eines gewerblichen Kreditantrags band im Median 71 Minuten Sachbearbeitungszeit, überwiegend für das Zusammentragen von Unterlagen aus fünf getrennten Systemen. Die eigentliche Bewertung nahm weniger als ein Viertel der Zeit in Anspruch.
Zuschnitt des Agenten
Die entscheidende Gestaltungsentscheidung fiel früh: Der Agent erhielt ausschließlich lesende Rechte und die Fähigkeit, ein Vorlagedokument zu erzeugen. Er darf keinen Antrag genehmigen, keinen Score setzen und keine Kundendaten verändern. Jede Vorlage geht an einen Menschen.
Die Projektleitung beschreibt diesen Zuschnitt im Rückblick als den Grund, warum die Freigabe durch Revision und Aufsichtsfunktion in elf Wochen statt in vielen Monaten möglich war. Ein Agent ohne Entscheidungsbefugnis ist aufsichtsrechtlich ein Assistenzsystem, kein Entscheidungssystem.
Was nicht funktioniert hat
Der erste Anlauf sah einen Agenten vor, der auch Rückfragen an den Kunden formuliert und per E-Mail versendet. Dieser Teil wurde nach sechs Wochen abgeschaltet. Grund war nicht die Qualität der Formulierungen, sondern die Unmöglichkeit, im Nachhinein zu belegen, auf welcher Datengrundlage eine bestimmte Rückfrage gestellt wurde.
Zweiter Rückschlag: Ein Agent, der Unterlagen aus einem gemeinsamen Dokumentenpool las, übernahm Angaben aus einem Vermerk, der nicht zum Antrag gehörte. Der Fehler war fachlich harmlos, führte aber zur Einführung einer strikten Quellenbindung pro Vorgang.